Im Gegensatz zu diesen schlichten Worten steht die folgende mit rhetorischen Stilmitteln belebte Jubiläumsrede, die in einem größeren Rahmen erfolgen soll. Neue Fragen tauchen auf; denn zwei Persönlichkeiten sind anwesend. Welche Reihenfolge bei der Anrede ist zu berücksichtigen?
Die Jubilarin als wichtigste Person an diesem Tag steht selbstverständlich an der Spitze der Rede. Treffen Sie anschließend selbst die Entscheidung, welche der beiden anderen Persönlichkeiten Sie voranstellen wollen: Ist der Pfarrer der wesentlich ältere, werden Sie ihn vor dem Bürgermeister nennen und umgekehrt. Es kommt auch darauf an, wie gut Sie beide kennen…
„ Liebe Tante Anna!
Sehr geehrter Herr Pfarrer Engelswort/lieber Herr Pfarrer Engelswort!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Randstein/lieber Herr Bürgermeister Randstein!
Liebe Gratulanten!“
STOP! Das ist ja nicht möglich! Dieser Text soll eine Rede für einen festlichen Anlaß sein? Ob der nach Worten suchende Redner sein stockendes „äh“ nicht bemerkt? Können Sie bei der Suche nach den Wortzweierpaaren helfen? Bitte nehmen Sie einen Stift zur Hand und setzen Sie ein, z.B. „Enkel“ und „Urenkel“. Die fehlenden Wörter sind in der Wolke versteckt.
Die misslungene Jubiläumsrede
„Liebe Tante Anna!
Lieber Herr Pfarrer Engelswort, Herr Bürgermeister Randstein!
Liebe Gratulanten!
Unsere Tante Anna ist heute 95 geworden. Wir freuen uns alle, daß wir dieses Fest, dieses einmalige Fest mit dir teiern durfen. Als eine der ältesten Bürgerinnen dieser Gemeinde hast du eine stattliche Zahl von Lebensjahren und äh..................erfahren und ähh........................ Du bist die einzige unter uns, die noch im 19. Jahrhundert geboren ist. Du bist die einzige, die Kaiserreich und Weimarer....................... ähh........................... erlebt hat. Du bist die einzige, die ein Leben ohne Zentralheizung und ähh.......................... kennt. Bescheidenheit und ähh.................................... - das sind die Eigenschaften, die wir jungen Leute schon immer von dir ab-schauen konnten. Welch ein Fleiß und welche ähh................................. steckten dahinter, wenn du die Schulbrotbeutel der Kinder auswuschest und ähh......................... Du machtest Halt vor den Gewohaheiten der Wegwerfgesellschaft.
Und dann deine kernigen und ähh................................ Brote jeden Freitag und dein Apfelkompott, dein vorzügliches Apfelkompott! Wir Kinder balgten und ähh.......................... uns oft darum, bis ich eines Tages den anderen den Bären aufband, dass du die Würmer mitkochst. Seitdem durfte ich lange Zeit das Apfelkompott alleine essen.
Und dann - deine Liebe zu den Pferden und zur ähh...........................: Wir kennen alle das Foto, auf dem du mit Onkel Hugo zusammen in der Pferdekutsche zu sehen bist, lächelnd oder vor Glück ähh............................, wie wir dich immer erlebten. Heute macht dir das Autofahren zwar ganz genauso viel Spaß und äh.......................... Um dich aber noch einmal an die naturverbundenen und ähh........................... Zeiten zu erinnern, haben wir uns eine Überraschung ausgedacht. Wenn du dich mit Getränken und ähh........................... genügend gestärkt hast, möchten wir dich zu einer gemeinsamen Fahrt einladen, zu einer Kutschfahrt durch unsere ländliche Umgebung. Denn der heutige Festtag und ähh................................ soll dir als etwas besonders Schönes noch lange im Gedächtnis bleiben.
Mit diesem Geschenk und dem ähh......................, das wir jetzt erheben wollen, wünschen wir dir, liebe Tante Anna, viel Glück und ähhh........................................... für die nächsten Jahre.
Auf dein Wohl!“
Machen Sie sich mit folgendem Text bekannt.
Das Verlegenheitswörtchen „ähh“Eine Schülerin ereteilt dem Leherer Nachhilfe
In der 11. Klasse eines Gymnasiums herrscht ein autoritärer, fast militärischer Ton. 28 Jungen und fünf Mädchen langweilen sich im Unterricht. Denn die Redeweise des Lehrers ist, nicht anders als bei unserem „Jubiläumsredner“, mit einem krankmachenden „ähhh“ behaftet. Die Schülerinnen und Schüler haben Mühe, dem Stoff zu folgen. Der Lehrer überspielt seine schlechten Angewohnheiten durch herrschsüchtiges Auftreten.
Aber nicht lange soll dieser Zustand andauern. An einem Vormittag ist der Lehrer plötzlich sehr irritiert, denn eine Schülerin hantiert während seines Vortrags mit Stift und Papier. Das kann er nicht vertragen. „Müller“, schreit er das Mädchen an, „was machen Sie da?“ Erstaunt schaut das Mädchen, das den Namen Müller trägt, empor. Es antwortet: „Ich mache nur Striche. Immer wenn Sie „ähhh“ sagen, mache ich wieder einen Strich.“ Es herrscht Totenstille in der Klasse. Alles wartet gespannt. Passiert jetzt etwas Fürchterliches? Ein Klassenbucheintrag? Nein. Nichts. Der Lehrer fährt im Unterricht mit seinem Stoff fort. Man merkt ihm an, dass er sich stark konzentriert. Er setzt kleine Päusen. Aber kein einziges „ähhh“ rutscht über seine Zunge.
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